Verwaltungsreform in Thüringen – Notwendigkeit, Ziele und Wege

Kommentare

  
  1. Martin Vetter sagt:

    Der Beitrag ist sehr gut durchargumentiert und leicht verständlich. Ganz wichtig ist, die Mitarbeiter mit ihrer Kompetenz, ihrem Engagement und ihrer Kreativität als wichtigen Pluspunkt unserer Verwaltung anzuerkennen.

    In der Debatte um das Landesverwaltungsamt fällt mir auf, dass nur Leute, die sich nicht mit Verwaltungen auskennen, befürchten, dass dieses aufgebläht werden soll. Hingegen teilen nach meiner Erfahrung diejenigen, die bereits selbst im Verwaltungsapparat gearbeitet haben, die Auffassung, dass eine Konzentration von Vollzugsaufgaben in einer Bündelungsbehörde den Aufwand verringert und handlebar ist.

  2. Clara-Elisa Neumann sagt:

    Herr Dr. von der Weiden, mir gefällt Ihr Beitrag auch sehr gut, vor allem dass Sie schreiben: „Die Mitarbeiter sind das Kapital. Ihre Kompetenz, ihr Engagement, ihre Kreativität sind gefragt. Mit modernem Führungsverhalten, das Freiraum lässt, für ein gutes Klima sorgt und motiviert, ist viel erreichbar beim Ziel einer guten Verwaltung.“

    Ich habe aber zu einigen Argumenten ein paar Fragen:

    Sie schreiben: „Ein Verzicht auf die mittlere Ebene würde bedeuten, dass … zu viele Aufgaben in den Ministerien – und dort von tendenziell höher dotierten Bediensteten – bearbeitet würden ….“.

    Wie begründen Sie Ihr Urteil, dass es für die Ministerien „zu viele“ Aufgaben sein würden? Und weshalb würden die Bediensteten dort tendenziell höher besoldet? Hängt nicht die Besoldung von der Arbeit ab? Dann müssten doch zwei Bedienstete mit derselben Arbeit dasselbe verdienen, egal ob sie im Ministerium oder auf der mittleren Ebene arbeiten.

    Sie schreiben: „Effizienz wird erreicht durch Arbeitsteilung, Spezialisierung und Qualifizierung. … Größere Arbeitsteilung ermöglicht Spezialisierung und Qualitätssteigerung sowie den Ausgleich von Belastungsspitzen.“

    Wieso ermöglicht größere Arbeitsteilung den Ausgleich von Belastungsspitzen? Größere Arbeitsteilung bedeutet doch, dass es mehr unterschiedliche Arbeiten gibt, aber jeweils weniger Bedienstete, die diese Arbeit haben. Die Bediensteten können sich spezialisieren und die Qualität ihrer Arbeit steigern. Wenn nun aber bei einer bestimmten Arbeit eine Belastungssitze auftritt, dann gibt es doch weniger andere Bedienstete, die aushelfen können, weil sie sich auf andere Arbeiten spezialisiert haben. Also müssten Arbeitsteilung und Spezialisierung für den Ausgleich von Belastungsspitzen eher schädlich sein.

    Wird durch Arbeitsteilung immer mehr Effizienz erreicht? Ich verstehe zwar, dass stärker spezialisierte Bedienstete effizienter arbeiten können. Andererseits nehmen mit zunehmender Arbeitsteilung Kommunikations- und Koordinationsaufwand und -fehler zu. Sollte die Arbeitsteilung dazu führen, dass sich für das Endprodukt niemand mehr verantwortlich fühlt, wird außerdem die Arbeitsleistung sinken. Denn Verantwortung motiviert die Bediensteten. Daher denke ich, dass zu viel Arbeitsteilung ebenso schädlich ist wie zu wenig.

    Herr Dr. von der Weiden, mich interessiert, wie Sie das sehen. Vielen Dank!

    • Klaus von der Weiden sagt:

      Sehr geehrte Frau Neumann,

      ich freue mich über Ihre kritische Analyse meines Beitrags! Zu Ihren drei Fragen:

      1. Besoldung in der höheren und in der mittleren Ebene
      Ihr Ansatz ist richtig: Nach dem im Besoldungsrecht geltenden Grundsatz der funktionsgerechten Besoldung sind die jeweiligen Ämter (z.B. Regierungsinspektor) bestimmten Besoldungsstufen (z.B. BBesO A 9) im Hinblick auf Schwierigkeitsgrad, Qualifikationsanforderungen, Verantwortung etc. zugeordnet; je höher Schwierigkeitsgrad etc., desto höher auch die Einstufung. Soweit das Besoldungsrecht. Nun ist es aber so, dass aus diesem Grund die Ämter in den Ministerien höher eingestuft sind als etwa in der mittleren Ebene. Zumindest deshalb, weil bei einer Hochzonung von Aufgaben auf die höhere Ebene in vielen Fällen zu erwarten ist, dass diese Aufgaben zusammen mit anderen – bereits bislang in den Ministerien wahrgenommenen – Aufgaben erledigt werden, spricht eine gewisse Vermutung dafür, dass sie dann eben von höher besoldeten Bediensteten wahrgenommen würden. Unterm Strich würde die Aufgabenerledigung in jedem Fall teurer.

      2. Verhältnis Arbeitsteilung – Ausgleich von Belastungsspitzen.
      Sie haben recht: Arbeitsteilung als solche ist neutral im Hinblick auf den Ausgleich von Belastungsspitzen oder sogar hinderlich, wenn nicht hinreichend viele Bedienstete für die konkrete Aufgabe zur Verfügung stehen. Bei einer Stärkung des Landesverwaltungsamts stünden aber hinreichend viele Bedienstete zur Verfügung. Gemeint ist hier nämlich größere Arbeitsteilung durch einen größeren Personalkörper, wie er bei der Konzentration von Aufgaben auf der mittleren Ebene durch Herabzonung von etwa Vollzugsaufgaben aus den Ministerien und den Verzicht auf Sonderbehörden entstehen würde. Bei einem größeren Personalkörper ist die Chance, dass sachgerechte Abwesenheitsvertretungen stattfinden, punktuelle Belastungsspitzen durch andere Mitarbeiter ausgeglichen werden und bei längerfristigen Belastungsverschiebungen dementsprechende Verlagerungen im Personaleinsatz erfolgen, größer als bei kleineren Personalkörpern. Also: Arbeitsteilung und Größe des Personalkörpers zusammen sind die Faktoren, die für den Ausgleich von Belastungsspitzen relevant sind. Mein Beitrag war hier – wie an anderen Stellen aus Platzgründen auch – etwas verkürzt.

      3. Arbeitsteilung und Effizienz
      Hier haben Sie völlig recht. Effizienzverluste gibt es sowohl bei zu kleinen als auch bei zu großen Einheiten. Hier – wie so oft im Leben – ist ein mittlerer Weg der richtige: Er gewährleistet Identifikation und Verantwortung. Die Frage im vorliegenden Kontext der Dreistufigkeit als Organisationsprinzip der Verwaltung ist die, ob nach den konkreten Verhältnissen in Thüringen durch die vorgeschlagene „saubere“ Umsetzung dieser Dreistufigkeit in einem gestärkten Landesverwaltungsamt Effizienzgewinne erzielt werden können. Das bejahe ich aus den in meinem Beitrag dargelegten Gründen.

      Klaus von der Weiden

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